Wer wie ich Kinder betreut,
muss auch mit ihnen spielen oder zumindest Gelegenheiten für eigenständiges
Spielen schaffen und die Fantasie anregen.
Es zeigt sich nämlich
immer wieder, dass Kinder sehr wohl in der Lage
sind, sich spielerisch ihre kleine Welt zu schaffen, sich Dinge auszudenken,
Rollen zu spielen und auch andere Kinder mit einzubeziehen, ohne dass es
der vielen technischen und elektronischen Dinge bedarf, die
Erwachsene für Kinder "erfinden" und die jeder unbedingt haben muss,
weil andere es auch haben, selbst wenn es sich die Eltern nicht leisten
können.
Über den pädagogischen Sinn und Nutzen dieser Dinge
mag man unterschiedlicher Meinung sein, fest steht aber, dass es auch ohne
sie geht.
Wenn ich heute Kinder spielen sehe (oder
aber sehe, wie oft den Kindern nichts einfällt, was sie in ihrer Freizeit
anstellen können, wenn ihnen die verbreitete Technik nicht zur Verfügung
steht), dann erinnere ich mich, wie ich in meiner Kindheit in den 50er-
und 60er-Jahren alleine oder mit Schulfreunden und Nachbarskindern gespielt
habe.
Sicher gibt's das auch heute noch, und ich möchte
die 50er- / 60er-Jahre nicht beschönigen, doch ich habe den Eindruck,
vielen
Kindern wird das Nachdenken über ein eigenständiges Spielen vorschnell
abgenommen, weil die Erwachsenen sich von der bunten Welt der Werbung
genau so faszinieren lassen, wie ihre Kinder.
Und dann die Statussymbole! - "Wehe,
wenn die Nachbarn merken, dass wir uns das nicht leisten können!" - Den Kindern wäre es
manchmal egal, aber sie werden oft durch das Verhalten der Eltern
dazu erzogen, dass alles immer größer, schöner, teurer sein
muss als bei den anderen.
Kinder brauchen
eine Welt, die ihre Fantasie anregt, anstatt sie mit exakt vorgegebenen
Bauplänen, Anleitungen und Spielregeln in vorbestimmte Bahnen zu pressen,
wie es bei den meisten Spielserien und Baukästen heute der Fall ist.
Beobachten wir doch mal Kinder beim Ausprobieren
oder Spielen eines Gesellschaftsspieles (sofern so etwas überhaupt noch
gespielt wird):
Da wird oft nicht viel Zeit verschwendet
mit dem Lesen der Anleitung;
die Kinder schaffen sich ihre eigenen Spielregeln
- mit ihrer Fantasie.
Und wenn ihnen dann Erwachsene die vorgegebenen Regeln
aufzwingen wollen, gibt es meist Streit und Ärger.
Warum lassen
wir den Kindern nicht ein bisschen Freiheit, verzichten mal auf unser
"normales" Denken, passen uns den Kindern an und freuen uns lieber am Spaß,
den sie mit ihren erdachten Regeln haben, auch wenn sie für uns unsinnig
erscheinen?!
Sicher kennen Sie auch dieses Bild: Ein Kind sitzt
in seinem Zimmer, in dem jede Ecke, jeder Schrank, jede Schublade, jede Kiste voll
ist mit irgendwelchen Spielsachen, und es fragt Sie gelangweilt: "Was
soll ich spielen???".
Weniger (dafür sinnvolleres) Spielzeug
wäre mehr!
Sie nehmen sich vor, etwas zu ändern,
aber zum Geburtstag oder zu Weihnachten überschütten Sie und die lieben Verwandten
dasselbe Kind wieder mit immer mehr Spielzeug, denn als Begründung
muss herhalten: "Das hat es sich doch so sehr gewünscht!".
Klar, Kinder wünschen sich nun mal
alles, was sie woanders (und insbesondere in der bunten Werbewelt) sehen, auch für sich,
denn sie können noch nicht zwischen wichtig und unwichtig, gut und
weniger gut unterscheiden.
Diese Entscheidung müssen ihnen die
Erwachsenen abnehmen.
Deshalb ist es unsere
Aufgabe, wichtige von unwichtigen Wünschen zu unterscheiden und
das maßlos erscheinende Wünschen in vernünftige Bahnen
zu lenken.
Wenn wir unsere Kinder genau und länger beobachten,
merken wir schnell, welche Wünsche aus tiefstem Herzen kommen und
immer wieder ernsthaft geäußert werden, und welche nur so auf
die Schnelle dahingesagt werden, weil es gerade "in Mode" ist oder weil es der
Klassenkamerad auch hat.
Vielleicht wäre es besser, alle Schenkenden
würden sich im Vorfeld absprechen und ihr Geld für ein oder
zwei wichtige, große (bzw. teure) Geschenke zusammenlegen.
Sie müssten
dann allerdings darauf verzichten, gegenseitig mit ihren Einzelgeschenken
"angeben" zu können (denn das ist oft der wahre Grund für die
Geschenk-Orgien)!
Eigentlich ist das Überhäufen mit
Spielzeug schon eine Art "seelische Kindesmisshandlung", zumal dann, wenn
die Erwachsenen sich mit dem Spielzeug-Schenken ein Alibi dafür verschaffen,
dass sie selbst zu wenig Zeit gemeinsam mit ihrem Kind verbringen.
So, das waren jetzt ein paar harte
Worte, aber sie mussten gesagt werden,
denn sie sind das Ergebnis meiner
langjährigen eigenen Erfahrung!