Seit ich
mich für Kinder einsetze und Schulkinder in der Freizeit betreue,
kommen auch die Kinder aus der Nachbarschaft zum Spielen, für die
kein festes Betreuungsverhältnis besteht,
denn sie haben - zunächst zaghaft und unsicher, dann aber doch rasch,
keck und fordernd auftretend - entdeckt, dass es bei mir im und ums
Haus viele interessante Möglichkeiten gibt, die Langeweile zu vertreiben.
Und das hat sich unter den kleinen Menschen natürlich schnell verbreitet
("Warst Du schon mal bei Thomas ...?", "Kommst Du mit zu Thomas ...?" usw.).
Manche ihrer ausgefallenen "Spiel-Ideen"
haben mich ganz schön überrascht und haben mir anfangs ein paar
Sorgen bereitet, da ich bei allem Spaß doch die Sicherheit der
Kinder in den Vordergrund stelle und immer Angst habe, sie könnten
sich bei mir verletzen. Ich habe aber schnell bemerkt, dass die meisten
Kinder in diesem Alter (ca. 6 - 14 J.) sehr wohl einschätzen können,
wann es für sie gefährlich wird - schließlich ist das Fahren
mit Mountain Bikes, Rollerskates, Skateboards usw. im Straßenverkehr oft viel gefährlicher,
als Klettern und Rennen, Stolpern und Ausrutschen auf einem eingefriedeten
Grundstück oder im Haus.
"Überbehüten" ist bekanntlich keine
Lösung, denn die Kinder wollen und müssen immer wieder auch mal
eigene
Erfahrungen machen, aus denen sie fürs Leben lernen.
Und auch
ich lerne daraus, denn selbst, wenn man sich anstrengt, alles um sich herum
mit Kinderaugen zu sehen und potenzielle Gefahren zu beseitigen, so denkt
man doch oft erst mal wie ein Erwachsener.
Ein Beispiel: Wenn man einen Zaun errichtet, der unter
anderem
auch dazu da ist, die Kinder zu schützen, dann ist das für die
erwachsenen Nachbarn ein Zeichen der Abgrenzung und für ungebetene
"Gäste" (hoffentlich) ein Hindernis.
Kinder aber sehen in jedem Zaun, in jedem
verschlossenen Tor und jeder geschlossenen Pforte eine Herausforderung,
und sie fühlen sich geradezu angespornt, diese Einrichtungen zu überklettern,
selbst wenn es sehr mühsam ist.
Ich kenne Kinder, die überklettern beim Kommen und Gehen die Gartentore
ihres Grundstücks, obwohl diese gar nicht verschlossen sind - nur
des Kletterns wegen.
Da Kinder fast immer dazu neigen, über
die Stränge zu schlagen und immer aufs Neue austesten, wie weit sie
gehen können, muss man ihnen immer wieder mit Bestimmtheit Grenzen
setzen. Und diese Grenzen werden erstaunlicherweise auch fast immer
akzeptiert, ja sogar gefordert!
Dabei ist es sehr hilfreich und wichtig, nicht einfach nur
etwas zu verbieten, sondern die Verbote auch zu begründen und möglichst Alternativen
anzubieten.
So versammeln sich also an schönen
Sommertagen schon mal mehrere Kinder (meist Jungen) in meinem Garten,
wobei sie kommen und gehen, wann sie wollen, meist zwischen Hausaufgaben
und Abendessen. Ich halte mir daher die "Kernzeit" zwischen
14 und 18 Uhr weitgehend frei für die gemeinsame Freizeitgestaltung.
Wenn ich selbst im Garten bin, ist die
Gartenpforte meist "offen für nette Menschen", damit ich nicht
alle paar Minuten zur Haustür laufen muss, weil wieder ein Kind klingelt
und zu den anderen möchte.
Damit hat auch jeder Erwachsene, insbesondere
die Eltern, die Möglichkeit, jederzeit nachzuschauen, was "die lieben
Kleinen" bei mir so treiben (und sich zu vergewissern, dass ich mich
korrekt verhalte - woran mir sehr viel liegt).
Die meisten Eltern kenne ich persönlich,
und ich bin dankbar für ihr Vertrauen.
Die Tatsache, dass ich an so manchem Nachmittag
so "kinderreich" bin, ist natürlich auch meinen unmittelbaren (kinderlosen)
Nachbarn nicht verborgen geblieben, und so wurde ich schon gefragt,
wie ich das aushalte oder ob ich jetzt einen Kindergarten aufgemacht hätte.
Mag ja sein, dass sich der eine oder
andere Nachbar von "Kindergeräuschen" gestört fühlt, aber
grundsätzlich sollte man doch so tolerant sein und endlich mal
akzeptieren, dass Kinder nicht stören, wenn sie sich kindgerecht
verhalten!
Und wenn ich Probleme mit dem "Gewusel"
um mich herum hätte, würde ich es nicht zulassen; ich freue
mich aber, dass die Kinder von der Straße runter sind und ihren Spaß
haben, auch wenn es unter ihnen ab und zu mal einen kleinen Streit gibt.
Um die Nerven der Nachbarn nicht überzustrapazieren,
achte ich natürlich darauf, dass die Kinder zumindest in der Mittagsruhezeit und
abends nichts machen, was Lärm erzeugt (ich gehe da auch selbst mit
gutem Beispiel voran und achte die Ruhezeiten bei dem, was ich mache).
Neben dem Spielen im Garten oder im Haus stehe ich auch als Hausaufgaben-Beistand
zur Verfügung, wenn es gewünscht wird. Oft sind es die "großen
Schulprojekte" wie das Anfertigen von Plakaten, Kollagen u. ä., was
bei mir erledigt wird, weil ich über vielfältige Materialien und
Werkzeuge verfüge, die gerne genutzt werden - insbesondere, wenn der
eigene Haushalt sehr spartanisch ausgestattet ist.
Das, was die Kinder bei mir gemalt
oder gebastelt haben, habe ich auf einer Extraseite
archiviert.