Titelgrafik www.kinderfreundliches-Haus.de - © twhk
 

 
Ein sehr engagiertes Projekt von
Thomas Koppermann, Hamburg

Erlebnisbericht aus den Jahren

2004/2005 über die Betreuung

des 11-jährigen Schülers Frank*

 

(* Name aus Datenschutzgründen geändert)

Mein Einsatz für Kinder
und meine Kinder-Betreuung:

 

Warum setze ich mich
für Kinder ein?:

Die Philosophie
hinter diesen Seiten

 


 

Wie setze ich mich

für Kinder ein?:

 

Mein persönlicher Anteil,
benachteiligten Kindern
zu helfen

 

Und für die Zweifler, die

immer Beweise benötigen:

 

Belege zu meinen Spenden

an Kinderhilfsorganisationen

 


 

Nachbarskinder entdecken
mein "kleines Reich" für sich

 



Gebastelt, gemalt,
gestempelt - einige Werke

meiner kleinen Gäste

 


 

Kurzfassung meiner ersten  großen Kinder-Geschichte:

 

"Wie man mit kleinen Dingen

und viel Füreinander-da-sein

ein sozial benachteiligtes Kind

sehr glücklich machen kann ..."
 

Und etwas ausführlicher:  
 

Erlebnisbericht über die Zeit

mit dem von mir betreuten

11-jährigen Schüler Frank
(Name geändert)

 


 

Ein paar Worte
von mir über mich

den Autor dieser Seiten
 


... und hier:

 


 

Und was die Erwachsenen
meinen, steht hier:

 

Leserstimmen / Gästebuch

 


 

Kinder-Themen

allgemein

 

Themen von A bis Z

 


 

Traurige Tatsachen
über Kinder in Deutschland

 


 

Herzenswünsche von Kindern
für ihre Erziehung

 


 

Allgemeines über die
Betreuung von Schulkindern
in der Freizeit

(Tipps und Hinweise)

 

 


 

Wie Sie benachteiligten Kindern ganz einfach helfen können

 


 

Ein heißes Thema:

 

Dürfen Männer
(fremde) Kinder betreuen?

 


 

Gedanken über
das Spielen im allgemeinen

 


 

Meine besten Links
zu den Themen rund um
Kinder, Eltern, Familie,
Erziehung, Schule
usw.

 

(Eine wahre Fundgrube
für alle, die Anregungen,
Rat und Hilfe suchen!)

 


 

Gesetze, die
unsere Kinder schützen

 


 

Jährlich wiederkehrende
Termine und Jahrestage
im Zusammenhang mit Kindern

 


 

Zum Schluss

noch etwas zum Schmunzeln -

von einer Lehrerin gesammelt:

 
Stilblüten von Schulkindern

 


 

 
Wie man mit kleinen Dingen

und viel Füreinander-da-sein

ein sozial benachteiligtes Kind

sehr glücklich machen kann ...
 


 
Vorbemerkungen:

 

Seit dem Sommer 2004 habe ich bei mir zuhause den 11-jährigen Frank aus der etwas weitläufigeren Nachbarschaft in seiner Freizeit ca. 8 Monate lang als "guter Freund" betreut.

 

Alles, was ich hier schildere, hat sich tatsächlich so zugetragen oder zeigt ehrlich meine Eindrücke und sensiblen Wahrnehmungen, denn ich bin ein sehr genauer Beobachter und versuche stets, mich behutsam in das betreute Kind einzufühlen und ganz individuell auf den kleinen Menschen einzugehen (das ist auch einer der Gründe, warum ich nur ein Kind zur Zeit betreue, denn nur so kann ich seine Potenziale entdecken und fördern und ihm eigene Erfolgserlebnisse verschaffen und Freude bereiten).

 

Die Namen oder Bezeichnungen von Personen oder Orten habe ich selbstverständlich geändert bzw. verallgemeinert oder ganz weggelassen, um die Vertraulichkeit für die Beteiligten zu sichern. Aus diesem Grunde habe ich auch weitgehend auf Fotos verzichtet und den Text stattdessen mit allgemeinen Grafiken aufgelockert (die wenigen Fotos zeigen nur unpersönliche Ausschnitte oder aber mich selbst, denn ich brauche mich ja nicht zu verstecken).

 

Mein Erlebnisbericht umfasst das Wesentliche und soll hauptsächlich das schildern, was wir zusammen erlebt haben, damit auch neue Interessenten erkennen können, wie gut es ihrem Kind bei mir gehen kann, wenn sie mir ihr Vertrauen schenken.

 


 

Warum betreue ich Frank?

 

Frank kommt aus sozial schwierigen Verhältnissen; seine Eltern haben (oder nehmen sich) oft keine Zeit, sich um ihn zu kümmern und können ihm aufgrund ihrer finanziellen Situation auch keine großartige Abwechslung und Förderung bieten. Seine Schulkameraden oder andere gleichaltrige Kinder sind entweder zu weit weg oder nicht nach seinem Geschmack.

 

Er sucht "interessantere Abwechslung" als nur das "langweilige, normale Spielen" mit anderen Kindern, die ihn teilweise auch nicht mögen; er ist ein Einzelgänger und fühlt sich zu Erwachsenen hingezogen; mit anderen Kindern gibt es oft Streit oder Rangeleien, weil er Probleme hat, zu unterliegen und auch mal was wegzustecken, sondern gerne die Oberhand hätte.

 

Also war ich bereit, für Frank da zu sein, wenn er jemanden braucht, der für ihn da ist, wenn er zuhause weggeschickt wird. Und die Eltern haben ihn sehr oft zu mir geschickt, um sich ungestört um ihre eigenen Interessen kümmern zu können. Mir war es Recht, denn ich merkte schnell, wie gut dem Jungen unsere gemeinsame Zeit bekommt.

 

Frank findet es toll bei mir, und er kommt, so oft er darf.
Er hofft immer, mir bei dem, was ich gerade mache, helfen oder wenigstens nur zugucken zu dürfen.

 

Da ich in Garten und Haus den Platz habe und mir die Zeit nehmen kann, mich um Frank zu kümmern, bin ich sehr oft für ihn da, denn bevor er sich irgendwo draußen herumtreibt ("abhängt" und vielleicht Unfug treibt, wie so viele Jugendliche ohne Perspektive, die sich damit ihre Zukunft kaputt machen!), finde ich es besser, er weiß, wo er willkommen ist und ein bisschen Geborgenheit und Abwechslung findet, denn: Kinder brauchen unbedingt verlässliche Bezugspersonen.

 


 

Wie ich Frank mit meinen Augen sehe

 

Schon bald fiel mir auf, dass ich es mit einem intelligenten und wissbegierigen Jungen voller Tatendrang zu habe, der die Welt der Erwachsenen für sich entdecken will und sich für fast alles interessiert.

 

Frank ist höflich und wirkt gut erzogen, er ist sozial eingestellt und sehr hilfsbereit, er ist ehrgeizig und zielstrebig und tritt anderen Personen bestimmt, mit festem Willen, manchmal sogar etwas keck gegenüber.

Er ist aber auch ein echter Lausbub mit Flausen im Kopf und verrückten Ideen - eigentlich eine gute Mischung für ein Kind seines Alters. Bei alledem ist er aber auch sehr sensibel.

 

Frank ist allgemein nicht sehr gesprächig, sondern eher verschlossen, er berichtet aber gerne freudig über erlebte Dinge, die ihm sehr viel bedeuten und Spaß gemacht haben.

 

Wie fast alle Kinder neigt Frank dazu, "über die Stränge zu schlagen", wenn man ihm keine klaren Grenzen setzt. Werden ihm Grenzen gesteckt und erklärt, zeigt er sich aber meist einsichtig.

 

Allen, die uns beiden zusammen begegnen, erzählt er stolz von "seinem Freund", wie er mich gegenüber anderen bezeichnet. Mir scheint, er hat endlich jemanden, mit dem er ein bisschen "angeben" kann und etwas, was andere nicht vorweisen können. Er macht andere Kinder wohl tatsächlich etwas neidisch, denn ich wurde von denen schon neugierig auf seine Besuche bei mir angesprochen. (Wer weiß, vielleicht bin ich ja sein erster "richtiger" Freund?)

 


 

Was Frank bei mir so macht

 

Ein etwas abenteuerlich anmutendes, altes Haus wie meines mit meinen vielen Sammelleidenschaften bietet einem aufgeweckten 11-jährigen Schuljungen reichlich Stoff für Tage, Wochen und Monate!

 

Das geht vom Mitmachen bei Gartenarbeit, Basteleien und kleinen Bauverrichtungen übers Ausprobieren von Telefonen und Mikrofonen, "Musizieren" am Keyboard, Spielen der Drehorgel, Ausprobieren der elektrischen Schreibmaschine und Spielen mit der Modelleisenbahn bis zum Spielen am PC (nur altersgemäß geeignete und gewaltfreie Computerspiele und nur unter meiner Anleitung und Aufsicht!).
Und wenn er genügend Zeit hat, tobt er sich mit Vorliebe stundenlang im Schwimmbad aus.

 

Am liebsten "hilft" Frank auch bei allem mit, was ich gerade mache (Basteln, Werken, Renovieren, Hobbys, Hausarbeit, Küche, Backen usw.).

Er ist ja in einem Alter, wo er alles ausprobieren möchte (z. B. den Umgang mit Werkzeugen), und er darf das bei mir in gewissem Maße auch, soweit ich es verantworten kann und solange ich dabei bin, und er lernt eine ganze Menge dabei (denn das, was ein Kind selbst machen darf, vergisst es nie!).

Zudem bringt es ihm die Erfolgserlebnisse, die er so sehr als Selbstbestätigung benötigt und woanders wohl nicht hat.

 

Ich merke schnell, dass Frank ein ganz helles Köpfchen ist, bei allem fragt, wozu es da ist und wie es funktioniert (und er weiß auch, dass er von mir auf alles eine altersgerecht verständlich formulierte Antwort und Erklärung bekommt).

 

Frank hat auch eine realistische Selbsteinschätzung seiner Fähigkeiten bewiesen, hört auf Ratschläge und lässt die Finger von Dingen, die er sich noch nicht zutraut. Wenn er dann aber etwas selbst geschafft hat, ist er zu Recht stolz auf sein Werk, glücklich und zufrieden und wir bekräftigen dies mit einem gemeinsamen Handschlag.

 


 

Mein Umgang mit Frank

 

Wenn Männer Kinder betreuen, dann haben Sie es schwer, denn im Gegensatz zu 'Tagesmüttern' müssen sich 'Tagesväter' zunächst gegen die Vorurteile behaupten, die aufgrund zahlreicher schlimmer Vorfälle in der Allgemeinheit bestehen ("Alle Männer sind Kinderschänder").
 

Dass diese Vorurteile falsch, ungerecht und kränkend sind, wird durch die positiven Beispiele bewiesen. (Ich hoffe, ich kann auch als ein solches gelten.)
 

Leider berichten die Medien lieber über Negatives als über Positives und erzeugen damit ein falsches Bild in den Köpfen der Menschen, die dies kritiklos hinnehmen.
 

Mein 8 Monate langer Umgang mit Frank ist ein gutes Beispiel dafür, wie gut es einem Kind gehen kann, wenn es den richtigen Erwachsenen findet.

 

Von Anfang an habe ich meinen Umgang mit Frank, der für mich ja ein fremdes Kind ist, offen und ehrlich gestaltet.
Ich habe jeden in meinem Umfeld (Nachbarn, Verwandte, Bekannte) über uns beide informiert und mit  einbezogen, damit gar nicht erst Gedanken an irgend ein "geheimnisvolles, verborgenes Treiben" aufkommen.
 

Jede vertrauenswürdige Person kann tagsüber zu mir kommen und sehen, was wir zusammen gerade machen, und es kommt ab und zu vor, dass Frank da ist und ich irgend einen spontanen Kurzbesuch bekomme, den er neugierig inspiziert (und natürlich auch gleich für sich interessiert, was schon zu manch drolliger Unterhaltung geführt hat).

 

Es ist für mich selbstverständlich, dass ich ein Kind als vollwertigen Menschen mit selbstbestimmter Persönlichkeit behandle und respektvoll und behutsam mit ihm umgehe.
 

Folglich fasse ich auch Frank nicht einfach so an, ohne ihn vorher zu fragen (z. B. im Spiel oder wenn es mal ums Festhalten oder Hochheben geht, um irgend etwas zu erreichen). Ebenso selbstverständlich entschuldige ich mich, wenn ich mal etwas falsches gesagt oder getan haben könnte. Und dass ich ein Kind nicht strafe, sollte heutzutage eigentlich auch selbstverständlich sein.

 

Im übrigen versuche ich stets daran zu denken, dass ich mit all meinem Tun eine Vorbildfunktion habe, denn Kinder ahmen das Handeln der Erwachsenen nach, weil sie ihnen als Vorbild vertrauen.
Demzufolge ist mein Umgang mit ihm freundlich und ruhig, bestimmt und konsequent, ohne Schreien und ohne Handgreiflichkeiten, verständlich und kindgerecht.

 


 

Frank und meine Gartenfeldbahn

 

Franks größtes Interesse galt anfangs meiner kleinen Original-Feldbahn, die ich als technisches Denkmal und für die Gartenarbeit hinterm Haus habe.

Einem aufgeweckten Jungen wie Frank genügt es aber nicht, sich so etwas ausgefallenes nur anzusehen, er will natürlich damit fahren. Und so ergibt es sich zwangsläufig, dass er in kürzester Zeit "Nachwuchs-Lokomotivbediener" wird und in meinem Beisein begeistert immer wieder seine Runden dreht.

(Nach ihm hat die Bahn später noch viele weitere Kinder begeistert.)

Tom und die Feldbahnlok - © twhk 2004

Es ergibt sich auch schon mal, dass andere Kinder aus der Nachbarschaft auftauchen und mitspielen wollen und dürfen. Dabei zeigt Frank, dass er gerne die Oberhand haben und bestimmen will, wer wann was machen darf (er sieht sich ja auch als meine Hauptperson!), und es kommt schnell zu Rangeleien mit den anderen Jungs, weil die natürlich auch ihre eigenen Vorstellungen haben. Dann muss ich halt regelnd eingreifen und für Ordnung sorgen.

 

Irgendwann entdeckt Frank bei mir ein altes, ausgemustertes Verkehrsschild von einem Fußgängerüberweg und schlägt vor, dass wir dieses sofort gemeinsam als Warnung an einer Stelle aufstellen, wo der Gartenweg das Gleis überquert, und war über seine Idee und die Ausführung begeistert! Solche handwerklichen Tätigkeiten machen ihm immer sehr großen Spaß.

 


 

Frank und die alte Blecheisenbahn

 

An einem Vormittag hatte die Post mir ein Paket mit einer alten Blecheisenbahn gebracht und es liegt noch unausgepackt da, als Frank am Nachmittag zu mir kommt. Neugierig wie er ist, will er natürlich wissen, was drin ist, und wir packen es gemeinsam aus. Als er sieht, dass es sich um eine Modelleisenbahn mit Lok, Wagen und Schienen handelt, will er das alles auch gleich ausprobieren.

Also legen wir uns beide auf den Fußboden und stecken die Gleise zusammen.

 

Währenddessen erzähle ich Frank, dass diese Bahn schon ca. 55 Jahre alt ist und noch ganz ohne Strom funktioniert, und dass die Kinder damals mit solchen Dingen gespielt hätten.

BILLER-BAHN® - ©2004 twhk     BILLER-BAHN® - ©2004 twhk

Ob er den historischen Wert einschätzen kann, mag ich bezweifeln. Er fasst die Fahrzeuge aber ganz behutsam an, setzt sie auf die Gleise, kuppelt alles mit viel Gefummel zusammen, zieht die Lok auf und startet sie dann. Und als das kleine Züglein dann unermüdlich und nur vom Uhrwerk angetrieben lange seine Runden dreht (und auch mal entgleist), ist er ganz fasziniert davon.

BILLER-BAHN® - ©2004 twhk     BILLER-BAHN® - ©2004 twhk

In diesem Zusammenhang fällt mir ein, dass Frank mal erwähnt hatte, dass er "in seinem Alter doch nicht mehr wie Kleinkinder auf dem Fußboden spielen" würde, als ich ihn nach seinem eigenen Spielzeug fragte.
Erstaunlich, wie schnell doch solche "Vorsätze" vergessen sind, wenn es was Interessantes zu entdecken gibt! (Auch ich habe lange zuvor nicht mehr auf dem Fußboden gelegen und gespielt!)

 


 

Frank und das Dampfboot

 

Eines Tages, als wir mal draußen nichts tun können, sucht Frank nach einer Beschäftigung. Ich erinnere mich, dass ich schon seit Jahren einen Bausatz für ein sogenanntes "Knatter-Boot" liegen habe und frage Frank, ob er Lust hat, ein kleines Dampfboot zu bauen, das in kurzer Zeit fertig ist und dann richtig im Wasser und von selbst fährt, obwohl es keinen Motor hat.

 

Das erregt sein Interesse, denn er kann sich nicht vorstellen, dass es sowas gibt und wie das geht.
 

Die chinesische (!) Bauanleitung erklärt er mir (!) anhand der Bilder, stellt sich schon lebhaft das Ergebnis vor und baut den Bausatz zusammen.

Ein paar Kleinigkeiten, an die er sich nicht heran traut, lässt er mich machen.
Und dann geht's ab in die Küche, wo wir das Spülbecken fluten, um das Boot zu Wasser lassen und testen zu können. Wird es überhaupt schwimmen oder gleich untergehen?

 

Als erstes übernimmt es Frank, ein wenig Wasser mit einem Röhrchen ins Boot zu blasen. Er kann sich immer noch nicht richtig vorstellen, wie das mit dem Antrieb gehen soll, als er mir interessiert zusieht, wie ich ein kleines Stück einer Kerze abschneide, anzünde und ins Boot lege. Nun warten wir einen Moment, bis das Boot dann tatsächlich langsam losfährt.

 

Das Staunen ist groß, und Frank sieht dem Boot lange fasziniert zu, wie es in der Küchenspüle geräuschvoll knatternd und leuchtend seine Runden dreht, ohne zu verstehen, was da eigentlich vor sich geht.

 

Erst jetzt, nachdem er sein riesiges Erfolgserlebnis gehabt hat, erkläre ich ihm die simple Technik so, dass er sie ein wenig verstehen kann.

Ich bin sicher, das war für ihn ein Erlebnis, das er nicht so schnell vergisst.

Ich frage ihn, ob er das Boot nachhause mitnehmen möchte, um es seinen Eltern zu zeigen und vorzuführen, aber er lässt es lieber bei mir.

Knatterboot (Dampfboot) - ©twhk

Ein paar Tage später, im Schwimmbad, fällt Frank das Dampfboot wieder ein und er möchte es unbedingt "im großen Wasser" fahren sehen. Also holt er es - patschnass wie er ist - aus der Wohnung, und ich muss wieder für die kleine Kerze sorgen.
 

Regungslos im Wasser stehend warten wir, bis die Wasseroberfläche ganz ruhig geworden ist, und Frank macht noch das große Licht aus, denn er möchte das magische Leuchten aus dem transparenten Schiffsrumpf sehen.

 

Als das Boot dann mit flackerndem Licht seine weiten Kreise zieht, kennen Begeisterung und Faszination keine Grenzen, so schön findet Frank das Ganze, und er verfolgt die Fahrt des Bootes mit viel Geduld, bis die kleine Kerze ausgebrannt ist! Wieder hat er ein Erfolgserlebnis und ist glücklich!

 


 

Frank am PC

 

Als das Wetter für das Spielen im Garten zu schlecht war, fragt der Frank mich mal: "Hast Du eigentlich einen Computer?". - Natürlich, habe ich! - "Und hast Du auch Computerspiele?".

 

Ich ahne, worauf das hinauslaufen würde und sage wahrheitsgemäß, dass ich den PC für meine Büroarbeit und deshalb hauptsächlich zum Schreiben, für Bilder usw. benutze und gar keine Zeit habe, am PC zu spielen. Ich werde aber mal meine alten Disketten und CDs durchsuchen, mache ihm aber keine Hoffnungen, dass ich etwas finde, was dem heutigen hohen Standard und den noch höheren Anforderungen der Kinder entsprechen könnte. Was ich finde, reicht dann auch nur für ein anfängliches, kurzes Spielvergnügen, da es schnell langweilig wird.

 

Da Frank zuhause einen (wohl älteren, ausgemusterten) PC in seinem Zimmer hat, auf dem er ab und zu mal spielt (z. B. die bekannte und beliebte Simulation "Anno 1602", wie er mir erzählt), hätte er bei und mit mir zusammen auch gerne etwas "anspruchsvolles" gespielt.
 

Von Anfang an habe ich Frank deutlich zu erkennen gegeben, dass für mich keinerlei Spiele infrage kommen, die in irgendeiner Form mit Gewalt zu tun haben. Er hat das akzeptiert.

 

Eines Tages kommt Frank am späten Nachmittag auf dem Rückweg von der Leihbücherei kurz bei mir vorbei und holt aus seiner mit diversen Büchern gefüllten Tragetasche eine CD-ROM plus Handbuch hervor. Er gibt sie mir mit der Bitte, das Spiel für ihn im PC zu installieren, um es dann bei nächster Gelegenheit mal ausprobieren und spielen zu können (es handelt sich um das Spiel "Cultures - Die Entdeckung Vinlands" - eine liebevoll gemachte "Wikingerdorf-Simulation").

 

Ich sage Frank, dass ich mir das Spiel zunächst ansehen und es probespielen werde, um zu sehen, ob es für ihn geeignet ist. Außerdem weise ich ihn darauf hin, dass solche Simulationsspiele ja endlos fortgeführt werden können, er die geliehene CD-ROM aber nach ein paar Wochen zurückgeben müsse und wir dann nicht mehr weiterspielen können.

 

Auf seinen Vorschlag, dass ich die CD-ROM ja kopieren könne, mache ich ihm deutlich klar, dass das eine Straftat wäre und dass Raubkopien für mich nicht infrage kommen.
 

Er akzeptiert meine Einstellung, und um ihm eine legale Alternative aufzuzeigen (das ist in der Kinder-Erziehung ganz wichtig, wenn man einem Wunsch nicht entsprechen kann!), verspreche ich ihm, mich stattdessen mal im Internet umzusehen, ob ich das Spiel evtl. günstig gebraucht kaufen könne, falls es ihm so sehr gefallen sollte, dass er es länger spielen möchte.

 

Ein paar Tage später kann ich dann eine Original-CD-ROM mit diesem Spiel für sehr wenig Geld übers Internet erwerben. Dass Frank sich riesig darüber gefreut hat, ist wohl klar. Er konnte seine geliehene CD-ROM also wieder mitnehmen und zurückgeben.

 

Wie schon angesprochen, ist das Spiel aufgrund seiner detaillierten Grafik und den vielen Spielvarianten so faszinierend, dass man sehr lange seine Freude daran hat, was Frank nach vielen Wochen immer wieder beweist und bestätigt.

Wenn er bei diesem Spiel am PC sitzt (ich bin immer dabei - so kann er seine Erlebnisse sofort kundtun und im Gespräch verarbeiten und sich auch mal Tipps und Bestätigungen holen), konzentriert er sich so sehr auf das Geschehen, dass er sich kaum ablenken lässt.

Ich erlebe dann, wie er mit den Figuren spricht, die er steuert, ihnen wortwörtlich Aufträge erteilt oder auch mal deutlich mit ihnen schimpft.

 

Dabei tun sich mir Einblicke in sein Innerstes auf, die ich sonst nicht bekommen hätte. Einmal höre ich verwundert, wie er tatsächlich zu einer der Figuren sagt: "Oh, tut mir Leid, dass ich Deine Gefühle verletzt habe!". -

Solch einen Satz von einem 11-jährigen Jungen zu hören, finde ich schon bemerkenswert, denn das zeigt deutlich auch seine eigenen, sensiblen Gefühle!

 

Bei diesem Spiel fällt mir auch immer wieder auf, wie sehr Frank auf die qualitativ hochwertige Hintergrundmusik achtet, die z. T. mit den Stimmungen und Szenarien des Spiels wechselt, aber auch anhand  einer Liste vom Spieler selbst ausgewählt werden kann. Frank sagt dann entweder fasziniert:

"Oh, hör mal, das ist ja eine schöne Musik!" oder er sucht sich eine Musik aus, die ihm gefällt und fragt mich dann, ob ich sie auch gut finde.

 

Ein weiteres Spiel, das wir beiden gerne spielen, ist ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem ein Ball gut überlegt durch verschiedene Hindernisse und vorbei an Gefahrenstellen zu einem Ziel gesteuert werden muss.

Da jeder der vielen "Level" sich komplett vom vorhergehenden unterscheidet, sind die Herausforderungen immer wieder neu, und es wird nicht langweilig.

 

Viel Spaß hat Frank auch mit dem virtuellen Konstruieren einer Achterbahn am PC, und er genießt es, wenn er sich in meinem "Chefsessel" zurücklehnen und vorstellen kann, er säße jetzt direkt in einem Wagen "seiner" Achterbahn (während ich seinen Sessel entsprechend den Bewegungen auf dem Bildschirm mitbewege und ihm so ein bisschen "Fahrgefühl" vermittle!).

 

Einmal hat Frank entdeckt, dass ich in meinem PC auch ein Architektur-Programm zum Zeichnen von Häusern habe. Er will es sofort ausprobieren, hat sich mit meiner Unterstützung erstaunlich schnell in die Bedienung eingearbeitet und gleich sein Wunschhaus konstruiert.

 

Es ist schon interessant, dass wir beiden uns - trotz des Altersunterschiedes - für die gleiche Art von Spielen (Konstruktion, Simulation, Nachdenken und Geschicklichkeit) begeistern. So haben wir wieder etwas Gemeinsames gefunden, und mir wird es selbst dann nie langweilig, wenn ich Frank bei seinen Aktionen am PC nur zusehe, weil ich stets in Gedanken im Spiel dabei bin und, wenn er mich ab und zu mal darum bittet, auch kleine Tipps oder Denkanstöße gebe, die ihm seine Entscheidungen erleichtern und Lösungswege aufzeigen, ohne jedoch die Lösung vorweg zu nehmen (die ich ja oft auch selbst gar nicht kenne).

 

Und besonders freut sich Frank natürlich dann, wenn er mal schneller oder schlauer ist als ich und die Lösung vor mir findet, wofür ich ihn dann gerne ehrlich lobe.

 

Anfangs kommt es vor, dass Frank schnell aufgibt, wenn ihm eine Lösung zu schwierig erscheint; heute ist er soweit, dass er mit Bestimmtheit sagt: "Ich muss mein Missionsziel erfüllen!".

 


 

Frank und die Schreibmaschine

 

Als Frank entdeckt, dass bei mir noch eine große, elektrische Schreibmaschine steht, bittet er sofort um etwas Papier und probiert sie geduldig aus.
Obwohl er zuhause schon einen Computer (aber wohl ohne Drucker) hat, ist er von der Schreibmaschine so begeistert, dass er sie am liebsten mitgenommen hätte.

 

(Schulpsychologen halten das Üben von Texten mit der Schreibmaschine
übrigens für eine sehr gute Möglichkeit, schreibschwachen Schülern zu helfen!)

 

Nachdem er am Abend nachhause gegangen ist, will ich das Papier wieder wegräumen und bin erstaunt und sehr gerührt über das, was ich - zwischen ein paar Übungszeilen und mit ein paar verzeihlichen Tippfehlern - auf dem eingespannten Blatt Papier lesen konnte:

"Hallo Thomas, wie geht es Dir heute an diesem herrlichen Tag?
Wenn Du mich etwas fragen willst, dann frage es mich gleich."

Welch eine spontane, philosophisch anmutende Formulierung

aus dem Kopf eines 11-Jährigen!

Welches unentdeckte Potenzial schlummert in diesem Jungen?!

 

Ich kann solch ein Dokument nicht wegwerfen, sondern bewahre es - wie all die anderen Dinge - zur Erinnerung an mein Gastkind auf.

 


 

Frank hilft beim Renovieren

 

Ich habe ja schon erwähnt, dass Frank gerne Erwachsenen bei ihrer Arbeit hilft, schließlich lernt er auch eine Menge dabei und hat die so wichtigen Erfolgserlebnisse.

 

Als Frank im Herbst 2004 bei der Renovierung meines Schwimmbades mithelfen will, habe ich ihm erst mal klar gemacht, dass ich keine Kinderarbeit unterstütze und auch Angst habe, dass er sich verletzen könnte.

 

Eine gute Hilfe ist er mir, wenn es darum geht, irgend etwas festzuhalten oder auszuprobieren. Er macht mir auch gerne Vorschläge, und ich bin erstaunt über die guten Ideen, die ihm manchmal einfallen, und von denen ich sogar welche übernommen habe.

 

Ich erlaube ihm auch ab und zu leichte Dinge wie das Aus- und Eindrehen von Schrauben mit dem Akkuschrauber, den Einsatz des Farbrollers oder Pinselstriche mit der neuen Farbe.

 


 

Frank und das Schwimmbad

 

Kinder lieben Wasser!

Ein ganz besonderes Highlight für Frank ist mein kleines Schwimmbad, das zunächst aber erstmal renoviert werden sollte (wobei er immer nach Kräften mithelfen wollte). Frank kann es kaum abwarten, den Pool dann endlich einzuweihen, und mittlerweile hat er sich als richtige "Wasserratte" erwiesen, planscht und tobt nach Herzenslust, macht Schwimmübungen und Tauchversuche und das alles über meist ein oder zwei Stunden.

 

Da Frank Ende 2004 noch nicht so richtig schwimmen kann (beim Schulschwimmen steht er kurz vor der "Seepferdchen"-Prüfung, die er bald darauf bestanden hat), und weil ich für ihn verantwortlich bin, solange er bei mir ist, darf er natürlich nur in meinem Beisein ins Schwimmbad.

 

Frank bekommt bei mir stets ein frisches Handtuch, hat bei mir "seine" passenden Badelatschen und "seinen" Bademantel und "seinen" Umkleideraum. Und für den Spaß im Wasser hat er "sein" Schwimmtier und "seine" Taucherbrille.

 

Inzwischen ist Frank sehr ehrgeizig, was seine Leistungen "unter Wasser" betrifft, so dass ich seine Tauchzeiten sogar per Stoppuhr festhalten muss. Und was er noch nicht schafft, das übt er immer und immer wieder.

 

Ohne mein Zutun zeigt sich Frank vor dem Verlassen des Wassers fast immer noch von seiner "hauswirtschaftlich-ordentlichen" Seite: Er nimmt sich den Fensterwischer und befreit die Glasscheiben am Beckenrand von den Wasserspritzern als Folgen seines Tobens, soweit er mit seiner Größe vom Wasser aus heranreichen kann. Eben so gern übernimmt er auch das Auf- und Zukurbeln der Rollabdeckung.

 


 

"Kann ich das haben?"

 

Als es draußen nichts neues mehr zu entdecken oder zu erledigen gibt und das Wetter zum Herbst hin schlechter wird, entdeckt Frank nach und nach das Innere meines kleinen, alten Hauses und meine diversen Sammlungen für sich als tolles "Museum", wo es immer wieder was Neues auszuprobieren gibt.

 

An seine Fragen wie "Was ist das?" und "Kann ich das haben?" oder "Schenkst Du mir das?" habe ich mich inzwischen gewöhnt. Da ich weiß, dass er nicht alles mit nachhause bringen darf, erledigt sich vieles von selbst. Andererseits merke ich jetzt aber auch, dass ich im Laufe der Jahre vieles angesammelt habe, was ich nicht mehr wirklich brauche, womit man einem Kind aber noch viel Freude bereiten kann, und dass ich mich plötzlich leicht von Dingen trennen kann, die ich bisher nie weggeben wollte.

 

Ich muss natürlich darauf achten, dass Geschenke für Frank etwas Besonderes bleiben und nicht zur täglichen Selbstverständlichkeit werden. Auch möchte ich nicht, dass Frank sich durch irgendwelche Geschenke mir gegenüber zu irgend etwas verpflichtet fühlt, deshalb bleibt es bei Kleinigkeiten von geringem materiellen Wert.

 


 

Essen und Trinken

 

Frank hat "fast immer" Hunger und kann wohl ständig essen. Für seine Ernährung sind ja zuerst die Eltern und die Schule zuständig; ich helfe jedoch gerne, wenn die Zeit bis zur nächsten regulären Mahlzeit für ihn zu lang wird.

Meistens genügt ein Glas Saft, ein Kakao, evtl. mal eine Portion Cerealien (Corn Flakes usw.), zur Kaffeezeit mal ein paar Kekse, ein Stück Schokolade oder ein kleines Eis.
 

Manchmal scheint Frank aber auch am liebsten alles zusammen essen zu wollen und ich muss dann bremsen und regulierend eingreifen und auch selbst mit gutem Beispiel vorangehen.

 

Da Frank weiß, dass und wann ich meine regelmäßigen Kaffeepause mache, möchte und soll er natürlich daran teilhaben und bekommt auch ein Getränk und etwas Gebäck - schließlich machen wir fast alles zusammen.

 

Da Frank in einem "Fressalter" ist, kann ich ihm natürlich nicht alles verwehren, passe aber auf, dass das Naschen in maßvollen Bahnen verläuft.

Glücklicherweise hat Frank mir mal gesagt, dass er sehr gerne Bananen isst; dadurch ist es mir möglich, ihm statt Süßem lieber ein paar Bananen anzubieten, was er gerne akzeptiert hat.

 

In Sachen Ernährung ist Frank - vermutlich durch die Schule - grundsätzlich gut informiert und achtet manchmal auch von selbst auf eine richtige Ernährung.

Und selbst, wenn er es eigentlich ist, der Hunger hat, so beweist er stets eine soziale Ader und fordert mich auf, zusammen mit ihm auch was zu essen (vielleicht fühlt er sich dann besser).
 

Frank erweist sich als "Flaschenkind"!

 

Anfangs bekommt Frank seinen Fruchtsaft immer aus der Glasflasche in ein Trinkglas abgefüllt. Als ich dann mal bei einem Sonderangebot zugreife und statt der Kisten mit Pfandflaschen ein paar große Kunststoff-Flaschen kaufe, erweist sich Frank als "Flaschenkind", denn er besteht darauf, den Saft nun direkt aus der Flasche trinken zu dürfen (so spart er sich das Auffüllen des Glases, denn das ist sowieso meist in einem Zug leer getrunken).

 

Wenn Frank mir ab und zu mal etwas aus "seiner" Flasche anbietet, stelle ich fest, dass es mir plötzlich überhaupt nichts mehr ausmacht, mit einer anderen, sogar fremden Person aus derselben Flasche zu trinken; so etwas war für mich früher immer unangenehm bis undenkbar. - Wie hat mich dieses Kind doch verändert!

 

Als ich dann später wieder "nur" die Glasflaschen habe, akzeptiert es Frank dann auch, dass ich ihm den Saft in einer Kunststoffkaraffe mit eigenem Kunststoffbecher "serviere". Ein kleiner Erfolg.

 


 

Schule, Schulnoten und Zeugnisse

 

Frank geht in die 5. Klasse einer Gesamtschule. Wenn wir mal über schulische Themen sprechen, sieht Frank sich selbst - zumindest in einigen Fächern - als "recht guter" Schüler, wobei er freudig auf alle guten Noten hinweist, die er bekommen hat und die nicht so guten lieber verschweigt (ist ja verständlich).

 

Er scheint keine Abneigung gegen die Schule an sich zu haben (höchstens gegen einzelne Lehrer, wie andere Kinder auch), sondern geht gerne hin.

Frank erklärt mir gerne schulische Dinge, die er toll findet (und die ich manchmal auch nicht kenne), und voller Stolz hat er mir berichtet, dass er in die die Streitschlichter-Arbeitsgruppe gewählt wurde.

 

Als ich ihm die Internetseite seiner Schule zeige, ist er ganz begeistert und blättert alle Seiten mit großem Interesse durch und nennt mir viele Namen der abgebildeten Lehrkräfte.

 

Wenn er mir mal über geschriebene Arbeiten und erhaltene Noten erzählt, frage ich immer nach, wie er sich denn selbst einschätzt, wie der Klassendurchschnitt ausgefallen ist, wo er dabei steht und ob er seine Leistung richtig eingeschätzt hat und mit dem Ergebnis für sich selbst zufrieden ist.
 

Ich gebe ihm zu erkennen, dass eine Note für sich alleine noch nichts aussagt, lobe ihn aber für gute Noten ohne zu übertreiben, nehme schlechte Noten zur Kenntnis ohne ihn deswegen zu verurteilen und ermutige ihn bei Schwächen, daran zu arbeiten.

 


 

Adventvorbereitungen 2004

In diesem Jahr ist bei mir am Haus wohl zum ersten Mal die Adventbeleuchtung rechtzeitig vor dem 1. Advent angebracht und in Betrieb, denn Frank will das nämlich unbedingt schon ein Wochenende vorher (und im Regen!) machen, hat das auch gegen meine Bedenken durchgesetzt (aus Angst er könnte was versäumen), und er ist sehr stolz auf sein vollbrachtes Werk!

 

Frank hat Freude daran, zu backen und sich hauswirtschaftlich zu betätigen (wohl, weil man hier tolle Erfolgserlebnisse haben kann). Also haben wir schon zweimal zusammen Kuchen gebacken.

 


 

Frank und das Lebkuchenhaus

 

In der Adventszeit haben wir zusammen ein Lebkuchenhaus gebaut, worauf Frank ganz stolz gewesen ist, und welches er am liebsten sofort angeknabbert hätte. Um es in seiner ganzen Pracht für spätere Erinnerungen festzuhalten, hat er mich mit seinem Haus gleich noch fotografiert:

Unser selbstgebautes Lebkuchenhaus - Advent 2004.....Zum Reinbeißen ...!

Frank hat das Haus dann nachhause mitgenommen - und ein paar Tage später aufgegessen ...!

 


 

Frank und das Weihnachtstheater

 

An einem Nachmittag in der Vorweihnachtszeit kommt der Frank zu mir und berichtet freudig vom Besuch der Schulklasse im Schauspielhaus Hamburg, wo alle zusammen als Weihnachtstheaterstück für Kinder die Geschichte "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" gesehen haben.
 

Da ich die Originalserie der Augsburger Puppenkiste und die Bücher aus meiner Kindheit kenne, haben wir sogleich reichlich gemeinsamen Gesprächsstoff.

 


 

Erstaunlich bescheidene Weihnachtswünsche

 

Nach seinem Weihnachts-Wunschzettel befragt, meinte Frank ganz bescheiden:

  • "Ich möchte so gerne mal auf den Weihnachtsmarkt am Rathaus."

  • "Ich wünsche mir für zuhause zu Weihnachten einen schönen, großen Tannenbaum."

Ich glaube, diese Worte sprechen Bände, und angesichts der immer mehr ausufernden "Technik- und Klamotten-" Wünsche anderer Kinder muss man dazu nicht mehr viel sagen!

 

(Anmerkung: Trotz seiner Bescheidenheit wurden ihm beide Wünsche nicht erfüllt! - Ich hätte es gerne getan.)

 


 

Mein Abschied in den Weihnachtsurlaub

 

Frank ist sehr traurig, dass er an den Weihnachtstagen nicht zu mir kommen kann, denn er weiß, dass ich über die Feiertage für eine Woche in den Urlaub fliege (meine erste größere Reise nach langer Zeit) - und er hat mir erzählt, dass bei ihm zuhause kein Weihnachten gefeiert wird!

 

Am Tag vor meiner Abreise verabschiedet sich Frank sichtlich bedrückt von mir mit den Worten:

"Hoffentlich verschläfst Du morgen früh den Bus zum Flughafen oder
erreichst Dein Flugzeug nicht rechtzeitig und musst hier bleiben!"

Diese Anhänglichkeit zeigt deutlich, welch gute Kumpel wir inzwischen sind.
Ich bin sehr gerührt und versuche, ihn zu trösten.

 


 

Das Wiedersehen nach der Urlaubsreise

 

Als Frank mich am Tag nach meiner Rückkehr von der Weihnachtsreise endlich wieder besuchen kann, stürmt er mir an der Haustür vor Freude entgegen. Nach seinen knappen Erzählungen ist Weihnachten beim ihm zuhause wohl ziemlich langweilig, "unweihnachtlich" und ohne besondere Höhepunkte verlaufen.

 



Warum mache ich diese Betreuung ohne Entgelt
und opfere so viel Zeit für ein "fremdes" Kind?

 

Ganz einfach: Ich habe Frank im Laufe der Zeit richtig lieb gewonnen.
Er hat mich in einer so liebenswerten Weise für sich eingenommen
und mein Herz erobert, dass ich ihm nicht widerstehen kann.

 

Und da ich schnell gemerkt habe, mit welchen Defiziten er leben muss,
erwachte in mir so etwas wie eine innere Stimme, die mir sagt:

"Das ist nicht 'einfach nur irgend ein Kind', sondern es lohnt sich,
für dieses Kind da zu sein und seine Potenziale zu fördern!"

Ob Frank selbst jemals bemerkt hat, wie sehr ich mich für ihn einsetze, weiß ich nicht, es spielt aber auch keine Rolle. Wichtig ist, dass er etwas für sich dabei gewonnen hat, und dessen bin ich mir absolut sicher.

 

Ich opfere die paar Stunden für den Jungen gerne, weil ich merke, dass ich ihm damit helfe und ihn ein bisschen glücklich mache (was ja ganz offensichtlich ist). Und das wiederum macht auch mich glücklich und zufrieden, und es entschädigt mich für jede geopferte Stunde mehrfach, wenn ich sehe, wie gut es Frank dann geht!

 

Gibt es einen schöneren Grund, als ein Kind glücklich zu machen?

 


 

Frank hat mich und mein Leben positiv verändert!

 

Ein mir bis dahin völlig fremdes Kind hat sehr viel Vertrauen in mich gesetzt, ohne in die negativen Vorurteile der Erwachsenen zu verfallen, hat sich sehr anhänglich gezeigt, mich akzeptiert wie ich bin und überall stolz als "seinen Freund" bezeichnet.
 

Das gibt mir ein gutes Gefühl, zumal ich das nicht erwartet hätte, und ich fühle mich bestätigt, richtig gehandelt zu haben. Bei Frank merkte ich bald: Das ist jemand, der mich wirklich braucht!

 

So ist Frank mit seiner liebenswerten Art für mich eine willkommene Abwechslung und bringt mich im Alltags-Einerlei nicht nur auf andere Gedanken, sondern fordert mich sogar regelrecht heraus. Ich habe diese Herausforderung angenommen - und bestanden.

 

Ich fühle mich psychisch sehr gut, und auch physisch geht es mir besser; die "kleinen Wehwehchen" verlieren ihre Bedeutung. Ich blühe förmlich auf und bin Stolz auf "mein Freizeitkind".

 

Durch Frank's Auftauchen wird mein "eingefahrener" Alltag neu strukturiert, ich fühle mich um Jahre jünger und beschäftige mich sehr intensiv mit Kinder-, Schul- und Erziehungsfragen (wahrscheinlich sogar weit mehr als Franks Eltern dies jemals tun würden), um beim Umgang mit Frank nur nichts falsch zu machen (davon profitiere ich auch später noch).

 

Durch die vielen positiven Kommentare derjenigen Menschen, die über meinen Umgang mit Frank informiert sind (ich habe vielen in meinem Verwandten- und Bekanntenkreis über uns erzählt, weil ich von Anfang an keinerlei  "Geheimniskrämerei", sondern Offenheit will), kann ich mich geschmeichelt fühlen, denn man findet es durchweg toll, dass ich mir - im Gegensatz zu anderen - soviel Zeit für den Jungen nehme und man freut sich, dass ich - auch im Gegensatz zu anderen - "mit einem so anstrengenden Kind" (Zitat: "der nervt!") zurecht komme.

 


 

"Jung" und "Alt" - geht das?

 

Die meisten 'Tagesmütter', die ihre Dienste anbieten, sind relativ jung. Da liegt es zunächst nahe, daran zu zweifeln, dass ein 53-jähriger "Oldie" ein Kind betreuen kann. Aber: Bei noch älteren Großvätern geht es doch auch!

 

Für mich ist "Alter" keine Sache des Geburtsdatums, sondern eine Sache der inneren Einstellung und des Verhaltens gegenüber seinen Mitmenschen, egal, ob diese alt oder jung sind. Außerdem habe ich mir ein bisschen Kindheit bewahrt, und "das Kind im Manne" wartet nur darauf, herausgefordert zu werden!

 

In den Medien wird immer wieder betont, wie wichtig es ist, dass Alt und Jung zusammen leben, dass die Generationen sich gut ergänzen können und sollen, und dass man dies fördern solle und wolle, wo immer dies möglich ist!

 

Da der Frank trotz seiner kleinen persönlichen Probleme im Grunde seines Wesens ein wirklich netter und liebenswerter Junge ist, macht es mir Freude, mich mit ihm zu befassen, und es kommt auch ein bisschen Leben und Abwechslung in mein altes Haus.   ;-)

 

Außerdem habe ich an mir bemerkt, dass der Umgang mit einem solchen Kind dazu führt, dass man seine eigene, "erwachsene" und eingefahrene Sichtweise der Dinge ändert, ganz neue Perspektiven aus der Sicht eines Kindes entdeckt und selbst eine Menge für sich dabei lernt (dazu ist es bekanntlich nie zu spät).

 

Seit Frank's Auftauchen befasse ich mich sehr intensiv mit der Information über Erziehungsfragen und schulische Belange, ohne jedoch in die Erziehung durch das Elternhaus eingreifen zu wollen. Ich möchte in diesen Dingen einfach Wissen erlangen, mitreden können und möglichst nichts falsch machen, da ich weiß, dass ich gegenüber Frank eine hohe Verantwortung trage, solange er bei mir ist.

 


 

Ich mache natürlich weiter!

 

Die vielfältigen und schönen Erlebnisse mit Frank haben mir zu einer ganz neuen Sichtweise gegenüber benachteiligten Kindern und deren alltäglichen Problemen verholfen und mich angespornt, auch in Zukunft noch viel mehr für Kinder zu tun und für sie da zu sein, soweit es meine Zeit, meine Gesundheit und meine Mittel ermöglichen.

(Diese Seite wurde
zuletzt geändert
am 11.08.2011)

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